Biofeedback: der Körper als Rückmeldung

Fachlich ist Biofeedback ein Lernprozess, kein Eingriff – vergleichbar damit, ein Instrument zu lernen. Du handelst, siehst unmittelbar das Ergebnis, wiederholst. Ziel ist, dass du das Gerät mit der Zeit nicht mehr brauchst, weil du die inneren Signale selbst erkennst – Selbstregulation, also Kontrolle ohne Rückmeldung von aussen.

Während Neurofeedback an der Hirnaktivität ansetzt, arbeitet Biofeedback mit dem, was der Körper dazu erzählt. In der Praxis kombinieren wir beides, weil sich Anspannung selten nur an einer Stelle zeigt.

Was wir messen

Welche Signale wir nutzen, entscheidet sich nach dem Erstgespräch und der Ausgangsmessung – nicht jede Person zeigt Anspannung auf demselben Kanal.

Herzratenvariabilität (HRV)

Der Abstand zwischen zwei Herzschlägen schwankt ständig. Für die Ausgangsbestimmung nutzen wir ein Varicard-System, das daraus Kennwerte der autonomen Regulation ableitet. Es zeigt uns deine Ausgangswerte, bevor wir mit dem Training beginnen.

Atmung

Über einen Dehnungsgurt erfassen wir Atemfrequenz und -muster. Die Atmung nimmt unter den autonomen Funktionen eine Sonderstellung ein: Sie läuft automatisch ab, lässt sich aber jederzeit auch bewusst steuern – deshalb ist sie ein zentraler Zugang zur Regulation.

Periphere Durchblutung (BVP)

Ein optischer Sensor am Finger zeigt Blutvolumenpuls und Herzrate. Er eignet sich gut für das laufende Training, weil er ohne aufwendige Verkabelung auskommt.

Hautleitwert (EDA)

Die Aktivität der Schweissdrüsen ändert sich innerhalb von Sekunden und ist ein Indikator sympathischer Aktivierung. Der Kanal macht Reaktionen sichtbar, die man selbst oft gar nicht bemerkt.

Hauttemperatur

Kalte Finger sind ein klassisches Anspannungszeichen. Die Temperatur verändert sich langsam und eignet sich deshalb gut, um über eine ganze Sitzung hinweg zu zeigen, ob sich der Zustand tatsächlich verschiebt.

Muskelspannung und EEG (ExG)

Über ExG-Kanäle erfassen wir Muskelaktivität – etwa in Nacken, Schulter oder Kiefer – sowie EEG-Signale. Restspannung, die man selbst oft nicht bemerkt, wird so sofort sichtbar.

Ausschnitt einer HRV-Auswertung mit EKG-Ableitung, Kardiointervallogramm und Histogramm
Ausschnitt einer HRV-Auswertung – eine Messung an Sandro Gantenbein selbst. Die Kennwerte beschreiben einen Moment, keinen Zustand.

Warum die Atmung ein zentraler Hebel ist

Beim Einatmen beschleunigt sich der Herzschlag, beim Ausatmen verlangsamt er sich. Atmest du in deiner individuellen Resonanzfrequenz – bei Erwachsenen meist zwischen etwa 4,5 und 6,5 Atemzügen pro Minute, bei Kindern höher (etwa 6,5 bis 9,5) –, verstärkt sich dieser Wechsel deutlich. Diese Frequenz messen wir aus und trainieren sie.

Auf dem Bildschirm siehst du dabei zu, wie sich die Kurve verändert. Das ist der Moment, in dem aus einem abstrakten Ratschlag – «atme ruhiger» – eine überprüfbare Fähigkeit wird.

Wichtig dabei: Anstrengung ist kontraproduktiv. Wer sich angestrengt entspannen will, spannt sich erfahrungsgemäss eher an. Deshalb arbeiten wir mit Zulassen statt mit Anweisungen – und deshalb braucht es Anleitung, nicht nur ein Gerät.

Die Quellen zu den Angaben über Atmung, Herzschlag, Hautleitwert und Hauttemperatur findest du unten auf dieser Seite; eingeordnet sind sie im Beitrag Biofeedback: Was die Forschung zeigt – und was nicht.

Wie eine Sitzung abläuft

  1. Ausgangsmessung

    Wir nehmen deine Signale in Ruhe und unter leichter Belastung auf, bestimmen die Resonanzfrequenz und sehen, welche Kanäle bei dir am deutlichsten reagieren. Daraus ergibt sich, woran wir arbeiten.

  2. Training

    Du siehst deine Werte live und lernst, sie zu beeinflussen. 50 Minuten, inklusive Vorbereitung und Besprechung. Zwischen den Sitzungen bekommst du eine kurze Übung für zuhause – so übst du das Gelernte auch im Alltag.

  3. Report

    Nach der Sitzung bekommst du deine Daten – auch dann, wenn sich wenig verändert hat. Ab 5 Sitzungen ist der HRV-Report fester Bestandteil, ab 10 kommt das Verlaufs-Tracking dazu.

Biofeedback ist ein Lernprozess und braucht Wiederholung. Wir planen deshalb von Anfang an mit einer Serie. Die Preise sind dieselben wie beim Neurofeedback.

Womit wir arbeiten

Unser Messsystem ist ein Mind Media Nexus-10 mit dem vollständigen Satz an Sensoren und Adaptern – Atmung, BVP, Hautleitwert, Temperatur und ExG lassen sich damit gleichzeitig aufzeichnen. Für die Ausgangsbestimmung kommt ergänzend ein Varicard-System zum Einsatz.

Koffer des Messsystems NeXus mit der Aufschrift «Wireless Physiological Monitoring and Feedback»

Die Schnittstellen zwischen Geräten, Auswertung und Report programmieren wir selbst. Deshalb bekommst du einen zusammenhängenden Verlauf statt einzelner Momentaufnahmen.

Geräte und Software

  • Mind Media
  • EEGLAB (Swartz Center for Computational Neuroscience)
  • Neurobit

Was die Forschung zeigt – und was nicht

Biofeedback wird seit den 1960er-Jahren untersucht, und die Studienlage ist je nach Anwendungsgebiet sehr unterschiedlich. Was eine Übersichtsarbeit dazu zeigt, wo ihre Grenzen liegen und auf welche Quellen sich die Angaben auf dieser Seite stützen, fassen wir im Beitrag Biofeedback: Was die Forschung zeigt – und was nicht zusammen. Unsere Einordnung zum Neurofeedback findest du im Beitrag Nützt Neurofeedback? – Eine evidenzbasierte Betrachtung.

Wir versprechen deshalb kein Ergebnis, sondern zeigen dir deine eigenen Messwerte und überlassen dir die Beurteilung.

Quellen

  1. Yasuma F, Hayano J (2004): Respiratory sinus arrhythmia: why does the heartbeat synchronize with respiratory rhythm? Chest 125(2), 683–690. doi:10.1378/chest.125.2.683 PMID 14769752
  2. Lehrer PM, Gevirtz R (2014): Heart rate variability biofeedback: how and why does it work? Frontiers in Psychology 5, 756. doi:10.3389/fpsyg.2014.00756 PMID 25101026
  3. Shaffer F, Meehan ZM (2020): A Practical Guide to Resonance Frequency Assessment for Heart Rate Variability Biofeedback. Frontiers in Neuroscience 14, 570400. Zum Artikel gibt es ein Korrigendum (PMID 33424548); es betrifft die hier zitierten Bereiche der Resonanzfrequenz nicht. doi:10.3389/fnins.2020.570400 PMID 33117119
  4. Butler JE (2007): Drive to the human respiratory muscles. Respiratory Physiology & Neurobiology 159(2), 115–126. doi:10.1016/j.resp.2007.06.006 PMID 17660051
  5. Betka S, Adler D, Similowski T, Blanke O (2022): Breathing control, brain, and bodily self-consciousness: Toward immersive digiceuticals to alleviate respiratory suffering. Biological Psychology 171, 108329. doi:10.1016/j.biopsycho.2022.108329 PMID 35452780
  6. Critchley HD (2002): Electrodermal responses: what happens in the brain. The Neuroscientist 8(2), 132–142. doi:10.1177/107385840200800209 PMID 11954558
  7. Benedek M, Kaernbach C (2010): A continuous measure of phasic electrodermal activity. Journal of Neuroscience Methods 190(1), 80–91. doi:10.1016/j.jneumeth.2010.04.028 PMID 20451556
  8. Kistler A, Mariauzouls C, von Berlepsch K (1998): Fingertip temperature as an indicator for sympathetic responses. International Journal of Psychophysiology 29(1), 35–41. doi:10.1016/s0167-8760(97)00087-1 PMID 9641246
  9. Vinkers CH, Penning R, Hellhammer J, Verster JC, Klaessens JH, Olivier B, Kalkman CJ (2013): The effect of stress on core and peripheral body temperature in humans. Stress 16(5), 520–530. doi:10.3109/10253890.2013.807243 PMID 23790072

Biofeedback in Buchs SG kennenlernen

Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Wir schauen gemeinsam, ob Biofeedback, Neurofeedback oder eine Kombination zu deinem Anliegen passt. Wir arbeiten mit Kindern ab 7 Jahren und mit Erwachsenen jeden Alters. Bei Kindern und Jugendlichen braucht es das Einverständnis der Erziehungsberechtigten.

BRAINLI stellt keine Diagnosen. Wenn du eine Diagnose hast oder in Behandlung bist, sag uns das im Erstgespräch.

Die obligatorische Grundversicherung übernimmt die Kosten nicht. Mehr dazu auf der Seite Krankenkasse.

Langäulistrasse 17, 9470 Buchs SG · Telefon +41 71 575 75 71

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Neurofeedback und Biofeedback sind bei BRAINLI Trainingsmethoden. Sie ergänzen die Schulmedizin und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung oder Behandlung.